| Während die Ausgabe 50 in der heutigen Zeit vermutlich Anlass für ein buntes Glitzercover und zig Extraseiten wäre, kümmerte Anno 1977 die runde Erscheinungsziffer bei Ehapa niemanden. Dies wirkte sich leider auch auf die Geschichtenwahl aus: Keine der sechs Duck-Storys weiß rundum zu überzeugen und sich so des Jubiläums würdig zu erweisen. Doch genug des Vorgeplänkels, widmen wir uns den Comics:
Ein geheimnisvolles Schiff geht im Hafen vor Anker. Ganz Entenhausen rätselt, wer die seltsam gekleideten Fremden an Bord sein mögen, die mit niemandem ein Wort sprechen. Klaas Klever, der ein gutes Geschäft witterte und vorstellig wurde, segelt nach einem Fußtritt in hohem Bogen über die Reling. Wenig später klingelt einer der Fremden an der Tür von Dagoberts Villa und bezeichnet sich als Minister für Bergbau von Hatschipur.
Er schlägt dem findigen Plutokraten ein mehr als lukratives Geschäft vor, das dieser nicht ausschlagen kann und lädt ihn zum Essen an Bord des Flaggschiffes von Hatschipur ein. Über das Gratismenü erfreut schleppt Dagobert nebst Donald auch Tick, Trick und Track mit zum Schiff, die prompt eine Falle der Panzerknacker vermuten und damit auch Recht behalten.
Onkel Dagobert und die Smaragde von Hatschipur bildet den Auftakt des Geschichtenreigens – und obwohl es sich nicht um die schwächste Story des Bands handelt, enttäuscht sie nach starkem Beginn doch. Wie auf mehreren Seiten eine List Dagoberts abgehandelt wird, Donald zum Kauf einer Zeitung zu bewegen, damit er sie gratis lesen kann, ist wunderbar amüsant zu lesen und erinnert an Highlights der Duck-Reihe. Auch die Visite des „Bergbauministers von Hatschipur“ bei Dagobert wird hinreichend interessant erzählt. Doch dass bei Dagobert nicht sämtliche Alarmglocken klingeln, sobald ihm der Fremde hundert Zentner Smaragde zum Schleuderpreis anbietet, ist höchst unglaubwürdig. Der etwas überhastete Schluss steht einer positiveren Bewertung der Story ebenfalls im Weg.
Weitaus überzeugender gestaltet sich Onkel Dagobert auf Sensationssuche . Um die verkauften Exemplare seiner Zeitung über den Nullpunkt zu bringen bläst Dagobert seinen Journalisten Donald und Dussel den Marsch: Sie sollen gefälligst eine sensationelle Story auftreiben, mit der das Konkurrenzblatt „Die Laterne“ zum kleinen Lichtlein degradiert werden soll. Sofort machen sich die beiden Neffen, ausgestattet mit einer dreißig Jahre alten Kamera, auf, diese Sensation zu finden. Nachdem der erhoffte „Mann beißt Hund“-Knüller mangels Kooperationsbereitschaft eines fiesen Köters scheitert und Dussel sogar Federn lassen muss („Schmeckt nach Wildente“, attestiert der Hund nach einer Kostprobe von Dussels Gesäß), gelingt ein vermeintlicher Schnappschuss eines Einbruchs in ein Juweliergeschäft. Leider stellt sich bei der Fotoentwicklung heraus, dass die Kamera defekt ist und lediglich zwei zwanzig Jahre alte Fotos noch zu retten waren. Dies erinnert Dagobert an zwielichtige Geschäfte, die er damals auf Bali betrieben hat und ihm fällt ein, dass die letzte Beute des im Gefängnis einsitzenden Gauners Sancho Grabscho nie gefunden worden war. Was läge näher, als diese zu suchen? Und schon geht es ab nach Bali…
Vom ersten bis zum letzten Bild bietet diese Geschichte beste Unterhaltung. Wie Dagobert auf Grund seiner extremen Knausrigkeit den möglichen Erfolg seiner eigenen Zeitung unterbindet, ist typisch: Donald und Dussel müssen alle Berichte aus der „Laterne“ abschreiben, dürfen weder Telefon, noch Fernschreiber benützen und haben nicht einmal eine Fotokamera zur Verfügung. Ebenso typisch ist Dagoberts kaltherziges Profitstreben: Als Donald irrtümlich für einen Juwelendieb gehalten und verhaftet wird, geht die Zeitung vor.
Dass die Suche nach einer Sensation noch von Erfolg gekrönt wird, ist zwar nicht überraschend, der Weg dahin umso mehr.
Fazit: Witzige, leider etwas kurze Story, die wohl das Highlight des ganzen Bands darstellt.
Mit dem gleichen hohen Niveau geht es weiter: In Onkel Dagobert und das Sauriermoos laboriert der alte Geizhals an einer Überempfindlichkeit des Magens, die ihm die Aufnahme von Essen unmöglich macht. Nach dieser niederschmetternden Diagnose von Doktor Schneebart machen sich Donald und die Neffen mit Dagobert im Schlepptau auf, bei einem Wunderdoktor Abhilfe zu schaffen.
Die unorthodoxen Behandlungsmethoden des mexikanischen Heilers El Magico sind ein Schlag ins Wasser. Erst der kauzige Doktor Krummschnabel weiß was zu tun ist: Der kranke Geschäftsmann benötigt Sauriermoos, das sich in einem Graben im Eisnasenindianer-Reservat befindet. Immerhin kurierten bereits die Saurier ihre Magenleiden mit dem sagenhaften Moos, und nachdem Dagobert ein Finanzungeheuer ist, liegt es nahe, dass bei ihm die Behandlung gleichfalls positiv verlaufen wird. Tatsächlich schafft es Donald nach dem Abtragen von Tonnen an Eis ein paar Krümel Sauriermoos zu gewinnen, die Dagobert augenblicklich genesen lassen. Doch was tun, falls er einen Rückfall erleidet?
Rasch ordert Dagobert Techniker, die das Eis des Grabens abtragen und somit die Gewinnung des Mooses einfach machen sollen. Zwar gelingt das Vorhaben, aber die Grabarbeiten haben ein in einem Nebenstollen eingeschlossenes Monster zu neuem Leben erweckt…
Auch diese Geschichte weiß mit skurrilen Darstellungen zu überzeugen, etwa einen – Achtung, politisch unkorrektes Klischee! – naiven Indianer, der den ganzen Tag lang sich besäuft und radebrechend spricht. Überhaupt werden die Indianer abwechselnd mal als „Rothäute“, mal als „Wilde“ bezeichnet.
Höchst amüsant gestalten sich auch die Arztbesuche. El Magico – natürlich gleichfalls ein versoffener „Wilder“ – will Donald dazu bringen, sich von Dagobert beißen zu lassen, nachdem er diesen mittels Zaubertrank in eine wilde Bestie verwandelt hat. Wen wundert es, dass sich Donald dagegen wehrt?
Alles in allem ergibt dies die zweitbeste Story des Bands.
Somit wäre der Höhepunkt dieses LTBs überschritten und es geht kontinuierlich nach unten. Onkel Dagobert und die Inkaziege präsentiert das wohl klassischste Motiv bei Duck-Geschichten: Dagobert, Donald und die Neffen fliegen in ein fernes Land, um etwas zu suchen, bevorzugt einen Schatz. In diesem Fall handelt es sich jedoch um die legendäre blaue Inkaziege, aus deren Stoff Kleider genäht werden konnten, die nahezu unzerstörbar waren. Nachdem Dagoberts Gehrock bereits fast aus allen Nähten platzt, fällt das Duck-Oberhaupt nur allzu rasch auf einen Scherz Donalds rein, der ihn Glauben macht, man habe in den Anden eine blaue Ziege entdeckt.
Zu Donalds Entsetzen kauft Dagobert sofort fünf Flugtickets nach Peru und die Suche nach der blauen Ziege kann beginnen.
Auch wenn die Geschichte nicht schlecht ist: Besonders phantasievoll oder witzig ist sie nicht. Fast schon obligatorisch ist der Fund eines verschollenen Inkaschatzes, obwohl die Reise einen völlig anderen Beweggrund hatte. Nett zu lesen, aber weit von bester Unterhaltung entfernt.
Es folgt die wohl schwächste Story des Bands, Onkel Dagobert und die Physik , die man auch als „Schatzsuche, Teil 2“ bezeichnen könnte. Um eine Schatzkiste, die sich auf der Spitze eines unterseeischen Bergs befindet, heben zu können, benötigt Dagobert die Dienste von Donald. Dieser weigert sich jedoch standhaft ihm dabei zu assistieren. Dummerweise versteigt sich der junge Hitzkopf zu der Aussage, er würde jede Arbeit in einem Radius von 500 Metern annehmen. Kurzerhand lässt Dagobert daraufhin Donalds Haus von einem Luftschiff direkt auf ein Boot transportieren, das sich knapp über der Schatzkiste befindet.
Notgedrungen löst Donald sein Versprechen sein. Aber die Physik schlägt Dagoberts Goldgier ein Schnippchen…
Nach einem viel versprechenden Anfang – Dagobert muss Donald überlisten, um ihn zur Kooperation zu zwingen – fällt die Story völlig ab. Das Bergen der Schatzkiste wird geradezu langweilig abgehandelt. Da ist man mehr Esprit und Witz gewöhnt und hakt deshalb diese Geschichte am besten gleich wieder ab.
Onkel Dagobert und das Zauberelixier bietet einen versöhnlichen Abschluss: Die Hexe Gundel Gaukeley mixt einen Kräutertrank, der Glück in Unglück und Unglück in Glück verwandelt. Auf diese Weise hofft sie, Dagobert zur Herausgabe seines Glückstalers überreden zu können, sobald seine Geschäfte den Bach runterlaufen. Zufällig kommen auch Gustav und Donald in den zweifelhaften Genuss des Tranks und fortan ist es Donald, der vom Glück geradezu verfolgt wird, während Gustav von einer Misere in die nächste hineinstapft.
Was man in den vorangegangenen Geschichten vermisst hat, wird hier reichlich nachgeholt: Überzeugende Gags! So werden etwa Gundel und Dagobert nach einem gemeinsamen Flug auf einem Staubsauger von einem Polizeihubschrauber zur Landung gezwungen, da das Fluggerät nicht dem TÜV entspricht. Und gibt es überhaupt eine in der Länge geeignete Schnur dafür?
Der Aufbau der Story ist geradezu vorbildlich: Parallel laufen zwei Plotstränge einher, die sich um die unfreiwilligen und kurzfristigen Partnerschaften von Donald und Gustav einerseits sowie Gundel und Dagobert andererseits drehen, welche schlussendlich logisch zueinander führen und aufgelöst werden. Auch optisch sind die Panels durchaus passabel und wissen zu gefallen. Es gibt keine überflüssigen Nebenhandlungen oder Durchhänger. Die Story legt von Anfang an hohes Tempo vor und hält dieses bis zum Schluss durch.
Schade, dass nach knapp dreißig Seiten bereits Schluss ist! Ein paar Seiten mehr von diesem Lesevergnügen hätten dem Band nicht geschadet. Einzig der Basisplot war für mich nicht ganz so interessant wie jener in Onkel Dagobert auf Sensationssuche . |